Kanada

Bowron Lake Canoe Circuit

Juli 12, 2017

Der Bowron Lake Provincial Park liegt 710 km nordöstlich von Vancouver in Cariboo-BC. Es ist die letzte Woche vor der Hochsaison. Zur Hochsaison soll es teilweise extrem schwer sein Tickets zu bekommen. Der Provincial Park begrenzt die Besucherzahl auf täglich 25 Kanus, um Natur und Tieren nicht zu schaden. Der Kanurundweg besteht aus 4 länglichen Seen, die sich zu einem Rechteck aneinander legen, so dass man nach 116 km wieder am Ausgangspunkt ankommt. Für die Strecke hat man max. 10 Tage Zeit (es geht darum, dass sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Park aufhalten), was aber gut zu schaffen ist. Wir sind keine trainierten Kanuten und haben 7 Tage für die Strecke gebraucht. Für die Dauer der Tour müssen alle Lebensmittel mitgenommen werden, es gibt keine Möglichkeit sich unterwegs mit Proviant einzudecken. Es gilt, wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte „pack it in, pack it out“ (meint: Nimm Deinen Müll wieder mit raus), Glasgefäße und Konservendosen sind verboten (Glas verstehe ich, warum Konservendosen verboten sind, weiß ich nicht). Insgesamt darf man 28 kg Gepäck pro Kanu mitnehmen, das im Kanu verbleibt bei Passagen. Der Rest muss auf dem Rücken getragen werden. Je nach Betrieb und Wetter auf dem Circuit sind die Ranger mehr oder weniger streng. Euer Gepäck wird auf jeden Fall gewogen, bevor ihr auf den Circuit könnt. Es geht darum, die Wege bei den Passagen möglichst wenig zu beschädigen, wenn der Boden durch Regen aufgeweicht ist und viele Kanus pro Tag an der selben Stelle vorbeigeschoben werden, bilden sich immer tiefere Spuren und die Wege müssen wieder instand gesetzt werden.

Karten, Reservierung und weitere Infos zum Bowron Lake Provincial Park

 

Bevor wir uns auf den Weg machen, was braucht man? Hier eine unvollständige Liste:

  • kurze Klamotten
  • warme Klamotten
  • Regenklamotten
  • Badezeug + Handtuch
  • Sonnencreme
  • Mückenspray (kauft das in Kanada, die haben anderes Zeugs, etwas giftig, aber wir haben’s überlebt – ist ja auch nur eine Woche)
  • Sonnenhut + Sonnenbrille
  • Proviant
  • Kocher + Topf
  • Zelt + Isomatten + Schlafsäcke
  • Axt (es gibt an den meisten Zeltplätzen Feuerholz, dass mit dem Eintritt schon bezahlt ist – hacken müsst ihr es aber selber 😉 )
  • biologisch abbaubares Duschzeug, Zahnbürste, etc
  • evtl. Bärenspray + Tröte/ Druckluftfanfare (ist ganz nett, wenn man was hat an dem man sich festhalten kann, wenn einem ein Bär über den Weg läuft – mehr dazu im Post)
  • Toilettenpapier

(eine vollständigere Liste und weitere hilfreiche Informationen findet man z.B. hier)

 

Was kann man vor Ort mieten?

  • Kanu + Wagen
  • wasserdichte Container
  • Axt
  • Bärenspray (vllt konnte man das auch nur kaufen)

 

Ausstattung des Parks

Es gibt viele Campingstellen entlang des Rundwegs, darauf achten, dass manche großen Gruppen vorbehalten sind. Alle Campingstellen haben folgende Ausstattung: begradigte Bereiche in denen Zelte auf gestellt werden können (und nur da, wild campen ist zum Schutz der Natur untersagt – meistens auch beinahe unmöglich auf Grund der dichten Vegetation); Trockentoiletten; Metallboxen, in denen das Essen und Kosmetik zu jeder Zeit verwahrt wird, damit Bären nicht angelockt werden), Feuerstelle (bei vielen ist Feuerholz vorhanden, aber nicht immer – es gibt aber entlang des Weges markierte Stellen, wo Feuerholz deponiert wurden, wo dem man dann die Menge für 1 Nacht ins Kanu laden kann). Manche Campingstellen haben auch eine Schutzhütte mit Holzofen und Pritschen, die Schutzhütten stehen allen offen und können nicht privat belegt werden. Wasser gibt es aus dem See, es wird empfohlen es zu filtern oder abzukochen. Wir haben das nie gemacht und keine Probleme gehabt.

 

Angeln und Wildtiere

Im Touristoffice in Cariboo, z.B. in Williams Lake, kann man eine Angellizenz für 1 Jahr kaufen (80 CAD, oder 50 CAD für 8 Tage) und sich kostenlos eine Angel mit Köderbox ausleihen. Ich muss zugeben, dass ich sie selten eingesetzt habe. Das erste Mal allerdings, hatte ich gleich eine kleine Forelle dran, die ich wieder freigelassen habe.

Wir haben mehrfach Bären gesichtet auf der Tour, bis auf einmal aber immer vom Kanu aus und in einiger Entfernung. Einmal aber, wir gerade mit dem Kanu bei einer Passage angekommen, gehe ich an ein Busch um mich zu erleichtern, als ich hinter mir das Rascheln eines großen Tieres höre. Ich drehe mich halb um und entdecke einen Bären, wir er nur gut 20-30 m hinter mir durchs Dickicht streift. Ich packe schnell alles eine und eile zum Kanu zurück, wo unser Bärenspray griffbereit herumliegen sollte. Ich zische meiner Freundin zu, dass dort ein Bär ist und wir beginnen laut zu sprechen, wir uns es erklärt wurde, um den Bär wissen zu lassen, dass wir da sind. In der Zwischenzeit haben wir auch unsere Fanfare und das Bärenspray gefunden. Immer noch etwas steif herum stammelnd stehen wir Fanfare bei Fuß am Kanu und beobachten den Bären. Zu sehen, von Blättern verdeckt, wieder hervorkommend, bis er irgendwann nicht mehr hervorkommt und verschwunden ist. Wie lächerlich unsere Fanfare und das Bärspray auch sein mögen, irgendwie hat es sich besser angefühlt als mit leeren Händen. Zum ersten Mal, für eine Millisekunde, konnte ich die Waffenfreaks nachvollziehen.

 

Unsere Tour

Die letzen Strecke des Weges führt über eine unbefestigte Straße, die im Winter nicht zu befahren ist. Vereinzelt sieht man Hütten durchs Blätterwerk oder öffnet sich der Blick auf den See. Bei Sandy und Dick von Bear River Mercantile haben wir Kanus reserviert und können dort auch unser Auto stehen lassen (ein Auto ist hilfreich, um zum Bowron Lake zu kommen, aber sicherlich auch per Anhalter möglich, die Kanadier sind da sehr freundlich und offen). Sandy und Dick sind ein nettes älteres Paar, dass schon lange in der Gegend lebt. Da will ich viel fotografieren will, geben Sie uns eins der neuen Kanus und wir versprechen gut darauf aufzupassen. Im Kanupreis inbegriffen ist der Transport von Kanu und Gepäck zur Einstiegsstelle, wo die Ranger uns eine Einweisung geben, uns auf einer Karte zeigen wo Bären gesichtet wurden und unser Gepäck wiegen. Dann geht es endlich los, zur Zeit sind wir nur eine handvoll Leute auf der Strecke. Das Wetter ist noch regnerisch, soll sich aber am nächsten Tag aufklären. So geht es denn auch nicht weit, unter einem Regenbogen hindurch zu einem Campingplatz mit Schutzhütte. Dort treffen wir andere, die sich auch auf Grund des Wetters für diesen Platz entschieden haben. Drinnen können wir ein paar Sachen zum trocknen aufhängen, bauen unser Zelt auf und kochen. Der nächste Tag beginnt mit Sonne und spiegelglattem See. Das Wetter zeigt sich bis auf den letzten Tag von seiner besten Seite, nur selten sehen wir ein anderes Kanu auf unserer Tour, quatschen mal kurz bei einer Rast oder am Campingplatz und dann sind wir auch schon wieder allein. Allein in dieser Weite mit knisterndem Lagerfeuer, dem ruhig daliegendem See, der Abendstille, den Bergen und Bäumen um uns herum. Die Tage fließen fast meditativ dahin, morgens wird das Feuer wieder entfacht (weil wir den falschen Brennspiritus für unseren Kocher gekauft haben und nun alles auf dem Feuer machen müssen), setzen Wasser für Kaffee auf und kochen Porige. Dabei wird zusammen gepackt und das Kanu beladen. Nach dem Frühstück paddeln wir für ein paar Stunden und machen dann eine Mittagspause, abends kochen wir wieder, quatschen mit anderen, sofern vorhanden, baden, trinken ein Gläschen vom unseren knappen Vorrat an Wein. Kein Handyempfang, kein Internet, keine Ablenkung, nur wir und unsere Umgebung, Wasservögel, selten ein Elch und manchmal ein Bär (aber nicht in der Nähe der Campingplätze, wir haben sie nur unterwegs gesehen, sonst wären wir wohl auch weiter gefahren).

Die Tour war geprägt von schöner Natur, aber an der Stelle lass ich lieber Bilder sprechen, und netten Begegnungen.

Am letzten Tag frischt der Wind etwas auf und damit entstehen auch Wellen, so groß, dass wir nicht parallel zu ihnen fahren können und kreuzen müssen. Regen setzt ein. So kann der Circuit also auch aussehen, wir haben Glück gehabt, mit Wind und Regen wäre es mit Sicherheit anstrengender geworden – aber fast genauso sicher, wäre es trotzdem ein Erlebnis gewesen. Durchnässt legen wir bei Sandy und Dick an, ohne dass wir etwas gebucht hätten, bieten sie uns eine Hütte mit Dusche an. Wir sind sehr dankbar dafür und revanchieren uns mit Fotos, die ich noch bis in die Nacht bearbeite.

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